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Rede von Loki Schmidt zur Blume des Jahres 2000

Der Steinsame soll, wie alle Blumen des Jahres, für einen bedrohten Lebensraum stehen. In diesem Jahr für den Waldsaum, speziell in der alten Bewirtschaftungsweise der Niederwaldnutzung und seine besondere Pflanzengesellschaft. Bei dieser alten Waldnutzung wurden die Bäume periodisch "auf den Stock" gesetzt, um Eichenrinde zum Gerben oder Buschwerk zum Kochen und Heizen zu gewinnen. Dadurch entstanden lichte Waldzonen mit einer angepassten Pflanzenzusammensetzung. Hört diese alte Nutzung auf, entwickelt sich der Wald zum Hochwald und der artenreichen Krautschicht fehlt das nötige Licht.
Diese alte Niederwaldnutzung hat es in Norddeutschland nur an wenigen Stellen gegeben. Sie spielte aber früher genau wie in Mittel- und Süddeutschland eine Rolle, weil es für die Eichenrinde zum Gerben bares Geld gab. Heute gibt es noch eine ähnliche Bewirtschaftungsform in Norddeutschland: Das sind die Knicks oder Wallhecken. Die hatten und haben aber darüber hinaus noch andere Funktionen. Die Knicks sind Feldbegrenzungen und vor allem Windschutz. Aber auch sie müssen regelmäßig auf den Stock gesetzt werden um sich zu verjüngen und auch bei ihnen bilden sich auf beiden Seiten Waldsaumgesellschaften mit einer speziellen Pflanzengemeinschaft. Nur, die "Blume des Jahres 2000" werden wir hier im Norden kaum finden. Der Grund ist, dass der Purpurblaue Steinsame trockenwarme Kalkböden braucht und die gibt es im ganzen Norden nicht.
Wir haben den Purpurblauen Steinsame als Pflanze des Waldsaumes ausgewählt, weil diese bis zu 60 cm hohe Staude durch ihre ungewöhnliche Blütenfarbe auffällt. Die Knospen sind purpur-rot und öffnen sich zu fünfzipfligen Blüten in einem strahlenden Blau. Der Steinsame gehört zur Familie der Rauhblattgewächse (wissenschaftlich: Boraginaceae). Beim Berühren mit dem bloßen Finger kann man bei allen Pflanzen dieser Familie eine raue Behaarung fühlen. Die schönen etwa 10 mm großen Blüten erscheinen zwischen April und Juni. Die Samen sind kleine steinharte Nüsschen - daher der Name -, die im Winter von den stehen gebliebenen Pflanzen ausgestreut werden. Der Steinsame kann sich aber auch vegetativ durch lange Sprossen vermehren, so dass dichte Bestände entstehen.
Ich hatte vor Jahren einmal das Glück, in der Eifel unter Elsbeerenbäumen - Verwandten unserer Vogelbeere - einen blauen Teppich des Purpurblauen Steinsame zu sehen. Ein wunderbarer Anblick.


 

© Stiftung Naturschutz Hamburg und Stiftung Loki Schmidt
Wartung und Pflege HM  *  Letzte Änderung am 06.04.2006